Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Ehrendes Gedenken an Erich Schulz

28.04.2026

Ehrendes Gedenken an Erich Schulz

Am 25. April 2026 gedachten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und Gedenkstätte Deutscher Widerstand des 1925 ermordeten Reichsbanner-Mitgliedes Erich Schulz in Berlin. Als Ehrengast sprach Bundespräsident a.D. Joachim Gauck.

Der Lagerarbeiter Erich Schulz war Teilnehmer des Ersten Weltkrieges und wurde 1924 Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Er lebte in Berlin-Kreuzberg. Als Parteiloser engagierte sich Schulz für die Weimarer Republik. Im Vorfeld der Reichspräsidentenwahl Ende April 1925 unterstützte das Reichsbanner den Zentrumspolitiker Wilhelm Marx, der für die drei demokratischen republikbefürwortenden Parteien (SPD, DDP, Zentrum) antrat. Dabei kam es zu einem Angriff von Rechtsextremen. Der 21-jährige Alfred Rehnig, Mitglied im rechtsextremen „Bund Wiking“, zog eine Waffe und verletzte Schulz schwer. Dieser starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Sein Mörder, der später der NSDAP und der SS beitrat, wurde am 9. Juli 1925 vom Vorwurf der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang vom Schwurgericht freigesprochen. Erich Schulz blieb nicht der einzige Tote. Schon vor 1933 fielen dem rechtsradikalen und nationalsozialistischen Terror mehr als 50 Angehörige des Reichsbanners zum Opfer. Doch seine Beerdigung am 2. Mai wurde zur Demonstration für die Republik. Am Grab von Erich Schulz fanden bis 1933 Gedenkveranstaltungen für die von den Nationalsozialisten Ermordeten statt.

Diese Tradition nahmen das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand 2017 wieder auf. Was zunächst mit nur wenigen Teilnehmern begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer immer größeren Veranstaltung. Wie im vergangenen Jahr fanden auch diesmal nicht alle Gäste Platz in der Feierhalle auf dem Berliner Friedhof Columbiadamm.

Nach der Begrüßung und Einführung von Dr. Julia Spohr, Leiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sprach Bundesvorsitzender Dr. Fritz Felgentreu zu den Anwesenden über Erich Schulz: „Wenn wir ihn heute gemeinsam ehren, dann tun wir das auch, um in unserer Zeit denen entgegenzutreten, die ein ganz anderes Deutschland wollen und die zu diesem Ziel unserer patriotischen Freiheitsgeschichte Begriffe und Symbole entnehmen, um sie umzuwerten, zu entstellen und als Zugpferde vor den Karren ihrer zersetzenden Ziele zu spannen. Für diesen Schulterschluss danke ich allen Anwesenden von Herzen.“ Felgentreu konnte zur Gedenkveranstaltung Vertreter der Berliner Senatsverwaltung, der CDU- und SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ und des „Friedhofs der Märzgefallen“ begrüßen. Besonders erfreulich ist die fast schon traditionelle Teilnahme hochrangiger Vertreter der Bundeswehr an der Gedenkveranstaltung, in diesem Jahr insbesondere durch den Kommandeur der Landeskommandos Sachsen-Anhalt und des Stv. Kommandeurs des Landeskommandos Berlin.

Die Festansprache hielt Altbundespräsident Joachim Gauck, der unmittelbar vor der Veranstaltung zum Ehrenmitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold ernannt worden wor. Er würdigte Erich Schulz und seine Bedeutung für uns Demokraten der Gegenwart: „Er war kein Staatsmann, kein prominenter Redner, kein Mensch, über den man ganze Bibliotheken geschrieben hätte. Er war ein Berliner Arbeiter - einer von vielen. Und gerade deshalb ist sein Name so wichtig. Denn Demokratien werden nicht nur von Verfassungen getragen. Sie werden getragen von Menschen. Von Menschen, die, wenn es darauf ankommt, nicht wegsehen. Von Menschen, die sagen: Das ist auch meine Republik. Das ist auch meine Verantwortung.“

Gauck betonte den Wert der Freiheit, die wir alle oft zu wenig zu schätzen wissen: „Ich habe bis zu meinem 50. Lebensjahr in der DDR gelebt. In einem Staat, der sich „demokratisch" nannte - und doch vieles kontrollierte, was in einer Demokratie frei sein muss: Meinung, Information, öffentliche Debatte, Opposition. Ich weiß, wie sich ein Leben anfühlt, in dem es Wahlen gibt, aber keine Wahl. In dem man lernt, zwischen den Zeilen zu sprechen, weil man nicht sicher ist, wer mithört. In dem sich Menschen anpassen - nicht immer aus Überzeugung, oft aus Vorsicht, manchmal aus Müdigkeit. Diese Erfahrung macht mich empfindlich - empfindlich für die kleinen Risse, aus denen große Brüche werden können. Und sie macht mich dankbar - dankbar für das, was wir heute haben: Freiheit, Rechtsstaat, offene Wahlen, eine Öffentlichkeit, in der Widerspruch nicht staatlich geahndet wird, sondern ein Bürgerrecht ist. Gerade deshalb berührt mich das Gedenken an Erich Schulz.“ Er warnte eindringlich davor, die Gefahren zu unterschätzen, denen unsere Demokratie heute ausgesetzt ist: „Es beginnt oft mit dem Satz: Man wird ja wohl noch sagen dürfen. Es beginnt mit dem Spott über demokratische Institutionen. Es beginnt mit dem Zynismus, der alles gleichgültig macht. Es beginnt mit dem Wegschauen, wenn andere bedroht werden - und mit dem Schulterzucken, wenn der Ton verroht. Gerade deshalb ist Erich Schulz mehr als ein Name auf einem Stein. Er zwingt uns zur Frage, wo wir stehen, wenn die Demokratie angegriffen wird: Warten wir ab, bis aus Worten Taten werden, oder ziehen wir Grenzen - rechtzeitig, klar, unmissverständlich?“

Unser Altbundespräsident mit einem eindringlichen Appell: „Ich wünsche mir, dass wir aus diesem Gedenken mit Entschlossenheit gehen. Dass wir uns erinnern, wie kostbar Freiheit ist. Und dass wir im Alltag, in unseren Worten, in unseren Entscheidungen, in unserer Bereitschaft zum Widerspruch zeigen: Diese Republik hat Citoyens, die sich einsetzen.“

Im Anschluss an die Ansprache legten Joachim Gauck, Julia Spohr und Fritz Felgentreu gemeinsam Kränze am Grab von Erich Schulz nieder. Gleiches taten die Vertreter von Senat, Parteien, Stiftungen und Organisationen. Das Wachbataillon erwies mit Ehrenposten am Grab seine Ehre, ein Trompeter des Stabsmusikkorps ließ zum Abschluss das Lied vom guten Kameraden erklingen.

Wir danken wie immer den Organisatoren und Mitwirkenden der Veranstaltung, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, den zahlreichen Kranzspendern sowie der Bundeswehr.
 

Zum Download
Ansprache Bundesvorsitzender Dr. Fritz Felgentreu (PDF 40 KB)
Ansprache Bundespräsident a.D. Dr. h.c. Joachim Gauck (PDF 214 KB)

Video-Mitschnitt




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