Stellungnahme des Bundesvorstandes des Reichsbanners zur beabsichtigten Gründung des Vereins „Eiserne Front – Demokratischer Schutzbund e.V.“
Im Juli 2026 teilte die Instagram-Seite „Eiserne Front“ mit, dass derzeit ein Verein unter dem Namen „Eiserne Front – Demokratischer Schutzbund e.V.“ gegründet werden soll.
Obwohl die Gründung offenbar noch nicht erfolgt ist, betreiben die bundespolitisch völlig unbekannten Initiatoren bereits eine Webseite, auf der u.a. ein (mehrfach) binnen weniger Tage wechselnd zusammengesetzter „Bundesvorstand“ aufgelistet wird und werben bereits Mitglieder.
Auf der Webseite erwecken sie den Eindruck, „die“ Eiserne Front zu sein, u.a. durch den prominent platzierten Vermerk „Seit 1931“. Auch ein Spendenbutton ist bereits enthalten.
Aus Anlass mehrerer Nachfragen aus Politik, Mitgliedschaft und Medien sieht sich der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. zu folgender Klarstellung veranlasst:
Es gibt keine Eiserne Front ohne das Reichsbanner
Die historische Eiserne Front war kein eigenständiger Verein. Sie war ein Ende des Jahres 1931 gegründetes Bündnis, in dem dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold neben der SPD eine zentrale organisatorische und praktische Rolle zukam.
Ohne das Reichsbanner, seine Mitglieder, seine Gliederungen und seine organisatorischen Strukturen wäre die Eiserne Front in ihrer historischen Form nicht möglich gewesen und hätte nicht operieren können. Ihre Geschichte kann daher weder losgelöst vom Reichsbanner erzählt noch unabhängig vom Reichsbanner organisatorisch fortgeführt werden. Die weitgehende Ausblendung des Reichsbanners in den öffentlichen Dokumenten der Initiative ist deshalb historisch nicht haltbar. Sie ignoriert, wer die Eiserne Front getragen, organisiert und vor Ort mit Leben gefüllt hat.
Aus Sicht des Bundesvorstandes handelt es sich um eine missbräuchliche Aneignung eines historischen Namens. Durch die Bezeichnung wird eine Nähe zur historischen Eisernen Front behauptet, die organisatorisch, personell und institutionell nicht besteht.
Der nun gegründete Verein verbindet den historischen Namen überdies mit Aufgaben, die in dieser Form nicht zum historischen Selbstverständnis der Eisernen Front gehören. Diese Themen können legitime Anliegen politischer oder gesellschaftlicher Arbeit sein. Sie rechtfertigen jedoch nicht, eine historische Organisation nachträglich mit neuen Inhalten auszustatten und diese Inhalte unter deren Namen zu vertreten.
Eine Organisation kann eine historische Nachfolge nicht allein dadurch begründen, dass sie einen bekannten Namen, historische Symbole und einzelne Traditionsbezüge übernimmt und für sich beansprucht. Dies gilt insbesondere dann, wenn die tatsächlich an der historischen Organisation beteiligten und bis heute bestehenden Nachfolgeorganisationen weder beteiligt noch konsultiert wurden.
Der historische Name der Eisernen Front wird dadurch nicht nur vermeintlich fortgeführt, sondern inhaltlich umgedeutet. Es entsteht der Eindruck, die aktuelle Programmatik des neuen Vereins stehe in unmittelbarer Kontinuität zur historischen Eisernen Front. Eine solche Kontinuität besteht nicht und kann es auch nicht.
Der neue Verein greift zugleich die Symbolik der historischen Eisernen Front auf und verbindet sie mit einer eigenen Interpretation. Historische Symbole sind jedoch keine frei verfügbaren Zeichen, denen nachträglich beliebige neue Bedeutungen zugewiesen werden können. Sie sind aus ihrem historischen Zusammenhang heraus zu verstehen.
Die drei Pfeile standen für den republikanischen Abwehrkampf gegen die Gegner der Demokratie und wurden im politischen Kampf der Weimarer Republik verwendet. Sie können nicht ohne Weiteres mit neuen politischen Themen belegt werden, um einer heutigen Organisation historische Legitimität zu verschaffen.
Die Verbindung von historischem Namen, historischer Symbolik und neuen politischen Inhalten führt zu einer Umdeutung der Eisernen Front, die der Bundesvorstand ablehnt.
Das Reichsbanner trägt eine besondere Verantwortung für seine Geschichte.
Für das heutige Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold besteht daher eine besondere Verantwortung gegenüber den Kameraden, die sich in der Weimarer Republik für die Republik eingesetzt haben. Viele von ihnen wurden nach 1933 verfolgt, inhaftiert, misshandelt oder ermordet.
Wir sind es ihnen schuldig, einer Vereinnahmung, Verkürzung oder Umdeutung ihrer Geschichte entgegenzutreten. Ihr Einsatz darf nicht zur historischen Kulisse einer Organisation werden, die ohne Beteiligung des Reichsbanners gegründet wird und den Namen der Eisernen Front für ein in wesentlichen Teilen verfälschtes Programm verwendet.
Zusammenfassung: Ein politisch isoliertes, fragwürdiges Projekt
Dieser angebliche Verein wurde bzw. wird ohne Wissen, Konsultation, Beteiligung oder Billigung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. gegründet.
Er versucht, unter Aneignung der Tradition und Symbolik der Eisernen Front und an deren historischen Trägerorganisationen vorbei eine autonome Struktur für aktuelle tagespolitische Auseinandersetzungen zu konstruieren.
Er wird vom Reichsbanner als maßgeblicher Träger und Organisator der historischen Eisernen Front nicht anerkannt.
Wir empfehlen unseren Mitgliedern eindringlich, sich nicht durch die irreführende Darstellung unter Nutzung historischer Symbole und Dokumente täuschen zu lassen und dort nicht Mitglied zu werden.