Kulturzentrum Barmbek Basch e.V.
Wohldorfer Straße 30
22081 Hamburg
Gedenktafel für Heinrich Tiedemann
Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Reichsbanner Hamburg laden zur Gedenktafeleinweihung für Heinrich Tiedemann am 11. September in Hamburg ein.
Programm
Begrüßung
- Marion Goers
Gedenkstätte Deutscher Widerstand - Xavier Wasner
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold,
Bund aktiver Demokraten,
Landesverband Hamburg e. V.
Ansprache
- Wolfgang Kopitzsch
Polizeipräsident der Freien und Hansestadt Hamburg a.D.
Feierliche Enthüllung
- Zeisigstraße 20 (Fußweg 400 m)
Wir würden uns sehr freuen, Sie bei dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen.
Heinrich Tiedemann
22. Oktober 1902 – 18. Mai 1928
Heinrich Tiedemann stammte aus einfachen Verhältnissen und engagierte sich in der Arbeiterbewegung. Er gehörte dem „Deutschen Verkehrsbund“ sowie der SPD als Mitglied an. Der 25-Jährige war ledig und lebte bei seinen Eltern in Hamburg-Barmbek. Um die Errungenschaften der Weimarer Republik zu verteidigen, schloss er sich dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ an – einem überparteilichen Bündnis zum Schutz der ersten deutschen Demokratie.
Vor der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 war Tiedemann im Wahlkampf aktiv. Zusammen mit seinen Kameraden vom Reichsbanner war er oft unterwegs, um die Menschen von den Parteien zu überzeugen, die treu zur Verfassung standen. Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes, nur vier Tage vor dem Wahltermin, wurde auch der arbeitsfreie Himmelfahrtstag für eine intensive Kampagne in Bergedorf, im Hamburger Umland, genutzt. Im Anschluss kehrten zirka 25 Kameraden noch in das Barmbeker Reichsbanner- Vereinslokal in der Volksdorfer Straße Ecke Vogelweide ein, darunter Heinrich Tiedemann. Kurze Zeit später machten mehrere Hundert Kommunisten, die ebenfalls von einer Propagandafahrt zurückkehrten, auf dem Platz direkt vor dem Vereinslokal Halt. Es kam zu heftigen Wortwechseln und tätlichen Übergriffen. Schließlich wurde ein Schuss in das Lokal abgefeuert und verletzte Heinrich Tiedemann lebensgefährlich. In der darauffolgenden Nacht erlag er im Krankenhaus Barmbek seinen Verletzungen. Tiedemann war das zweite Todesopfer des Hamburger Reichsbanners, das durch politisch motivierte Gewalt getötet wurde. Wenige Stunden vor Heinrich Tiedemann war Hermann Heidorn aus Hamburg-Eimsbüttel tödlich verletzt worden.
Die gemeinsame Überführung der sterblichen Überreste von Heinrich Tiedemann und Hermann Heidorn zum Friedhof Ohlsdorf sowie die Beisetzungsfeier am nächsten Tag erfolgten unter breiter öffentlicher Anteilnahme. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen nach dem Barmbeker Schützen wurden im Januar 1929 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Bis zum Beginn der NS-Herrschaft 1933 fanden an den Gräbern der Getöteten regelmäßig Gedenkveranstaltungen des Reichsbanners Hamburg statt.