Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V.

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. - Das Reichsbanner in Budwethen – Spurensuche in Ostpreußen

31.10.2026  • 
Landesverband Berlin-Brandenburg

Das Reichsbanner in Budwethen – Spurensuche in Ostpreußen

von Marlon Bünck, Stv. Bundesvorsitzender

In die historische Sammlung des Reichsbanners ist eine echte Rarität gelangt: der Mitgliedsausweis mit der Mitgliedsnummer 1 der Reichsbanner-Ortsgruppe im ostpreußischen Budwethen von 1927. Eine Spurensuche.

Das Reichsbanner hat in der ehemaligen preußischen Provinz Ostpreußen und deren damaliger Hauptstadt Königsberg eine beeindruckende und wechselvolle Geschichte. Durch einen glücklichen Zufall gelangte nun ein ostpreußisches Mitgliedsbuch zurück in die Sammlung des Reichsbanners. Budwethen, ab 1938 Altenkirch, gehörte bis 1945 zum 1922 gebildeten Kreis Tilsit-Ragnit. Nach 1945 wurde Budwethen (Altenkirch) in Malomoschaiskoje umbenannt und Teil der sowjetischen Oblast Kaliningrad.

Der Mitgliedsausweis mit der Mitgliedsnummer 1 von Bruno Wenk stammt aus dem Jahre 1927, sein Eintritt ist auf den 1. Oktober datiert. Es sollten jedoch noch weitere Jahre vergehen, bis auf den Aufbau der Ortsgruppe die Fahnenweihe folgte. In der Illustrierten Reichsbanner-Zeitung (IRZ) vom 5. Juli 1930 findet sich ein Hinweis auf die Fahnenweihe und eine Teilnehmerzahl von 1.000 Reichsbanner-Kameraden. Dem sei jedoch hinzugefügt, dass der Ort selbst 1925 nur knapp 600 Einwohner hatte. Daher ist davon auszugehen, dass zur Fahnenweihe auch Gäste aus größeren ostpreußischen Städten anreisten.

Im Ostpreußischen Bildarchiv fand sich bei den Recherchen ein weiteres aufschlussreiches Privatfoto, das zwar nicht datiert ist, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit während der Fahnenweihe entstanden ist. Es zeigt einen Aufmarsch, der von der Hauptstraße kommend auf den Marktplatz zieht. Vor dem örtlichen Geschäftshaus hängt ein Banner mit der Aufschrift: „Die Freiheit ist die Republik und abermals die Republik! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme“. Im Hintergrund links ist das ehemalige Hotel „Deutscher Hof“ zu sehen. Das Gebäude existiert noch heute, steht jedoch seit Jahrzehnten leer.

Durch die NS-Herrschaft und das Verbot des Reichsbanners sowie durch Krieg, Flucht und Vertreibung sind nach 1945 nur wenige Zeugnisse des Reichsbanners aus Ostpreußen erhalten geblieben. Umso bedeutender ist der nun erfolgte Fund.

Reichsbanner Budwethen

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