1. Landestag des Reichsbanners Berlin-Brandenburg in Brandenburg an der Havel
Am 29. August 2026 fand in Brandenburg an der Havel der erste Landestag des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Berlin-Brandenburg statt. Das neue Veranstaltungsformat verbindet historische Bildungsarbeit, die Auseinandersetzung mit der Verbandsgeschichte und den kameradschaftlichen Austausch. Brandenburg an der Havel bot dafür einen passenden Rahmen: Die Stadt gehörte in der Weimarer Republik zu den bedeutendsten Hochburgen des Reichsbanners im Gau Berlin-Brandenburg.
Nach dem Eintreffen am Steintorturm begrüßten der Landesvorsitzende Marlon Bünck und der Landesgruppensprecher Brandenburg Andreas Schlüter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Der erste Teil des Landestages war eine historische Stadtführung auf den Spuren des Reichsbanners. Im Mittelpunkt standen Orte, die die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Verbandes in der Stadt verdeutlichen. Besonders eindrucksvoll zeigte sich diese beim großen Gau-Fest an Pfingsten 1928, zu dem rund 4.500 Reichsbanner-Mitglieder nach Brandenburg kamen. Die eigens herausgegebene Festschrift und die zeitgenössische Würdigung als „Schwarz-rot-goldenes Pfingsten“ dokumentieren die damalige Stärke der republikanischen Bewegung.
Erste Station war das ehemalige "Volkshaus" in der Steinstraße 41/42, das als organisatorisches Zentrum des Reichsbanners diente. Hier fanden die Versammlungen, Wahlen, Bildungsabende und Gedenkveranstaltungen statt. Das Volkshaus war zudem nicht nur ein Reichsbanner-Ort. Es war auch Treffpunkt des sozialdemokratischen und republikanischen Milieus der Stadt. Das Reichsbanner wird sich dafür einsetzen, dass an dem Ort eine Gedenktafel über die wechselvolle Geschichte angebracht wird.
Nächster Station war der Neustädtische Markt, ein zentraler Ort öffentlicher Kundgebungen und Aufmärsche. Hier wurde die republikanische Bewegung im Stadtbild sichtbar. Bei einem großen Volksfest des Reichsbanners im Mai 1927 zogen die Formationen geschlossen durch die Stadt auf den Markt.
Auch das beeindruckende Altstädtische Rathaus spielte eine wichtige Rolle. Im März 1929 beging das Reichsbanner dort seinen fünften Gründungstag mit einer Festveranstaltung und der Fahnenweihe der Kameradschaft Neustadt. Festredner war Reichsbannermann Friedrich Ebert junior. Der überfüllte Festsaal zeigt den Stellenwert, den das Reichsbanner damals in der Brandenburger Stadtgesellschaft besaß.
Im Anschluss an die Stadtführung besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Dom St. Peter und Paul. Der Dom auf der historischen Dominsel gehört zu den bedeutendsten Bau- und Geschichtszeugnissen Brandenburgs. Als mittelalterliches Zentrum des Bistums Brandenburg steht er für die weit zurückreichende Geschichte der Stadt und der Mark Brandenburg.
Den Abschluss bildete der gesellige Ausklang im Restaurant „Zum Bootshaus“, bei dem Gelegenheit zum weiteren Austausch bestand. Das Vereinsheim für den Rudersport von 1921 wurde ebenfalls in der Weimarer Republik vom Reichsbanner aufgesucht.
Der erste Landestag verband damit historische Spurensuche, politische Bildungsarbeit und kameradschaftlichen Austausch. Zugleich machte er deutlich, welche Bedeutung Brandenburg an der Havel für die Geschichte des Reichsbanners und der republikanischen Bewegung in der Weimarer Republik hatte.