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Verfolgung und
Widerstand
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| Karl Höltermann (1894 – 1955)
auf der Reichsbanner- Kundgebung vor dem Berliner
Schloss am 19. Februar 1933; Quelle: BArch |
Der Terror unmittelbar nach der
nationalsozialistischen Regierungsübernahme und vor allem
seit März 1933 bedeutete für viele Angehörige des
Reichsbanners unmittelbare Lebensgefahr. Bekannte
Funktionäre mussten Deutschland verlassen. Der
Bundesvorsitzende Karl Höltermann floh im Mai 1933 nach
Amsterdam und überlebte den Zweiten Weltkrieg im Exil in
Großbritannien. Hubertus Prinz zu Löwenstein, Gründer und
Führer des „Vortrupps“, der Reichsbanner-Jugendorganisation,
emigrierte Ende April 1933 zuerst nach Österreich und 1935
in die Vereinigten Staaten, wo er sich immer wieder für
demokratische Ideen einsetzte und ein Bild vom „anderen
Deutschland“ vermitteln wollte. Der stellvertretende Führer
des „Vortrupps“, Volkmar Zühlsdorff, musste Deutschland im
Mai 1933 verlassen und blieb auch in der Emigration eng mit
Hubertus Prinz zu Löwenstein verbunden.
Jüngere, zumeist weltkriegserfahrene „militante“ Sozialisten
wie Julius Leber, Wilhelm Leuschner, Kurt Schumacher,
Theodor Haubach und Carlo Mierendorff, die auf eine härtere
Bekämpfung der Nationalsozialisten gedrängt hatten, lehnten
es 1933 ab, zu emigrieren. Sie begannen vielmehr mit der
Organisierung des Widerstandes im Lande. Als bekannte
Sozialdemokraten wurden sie jedoch sehr bald verhaftet und
verbrachten Jahre in Konzentrationslagern. Nach ihrer
Freilassung stießen Mierendorff, Leuschner, Leber und
Haubach zu den Verschwörern des 20. Juli 1944. Mierendorff
starb bei einem Luftangriff 1943 in Leipzig, Leuschner,
Leber und Haubach wurden nach dem gescheiterten
Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und in
Berlin-Plötzensee ermordet. Auch andere Spitzenfunktionäre
des Reichsbanners wie Johannes Stelling oder Otto Eggerstedt
wurden 1933/34 von den Nationalsozialisten ermordet oder wie
Kurt Schumacher oder Karl Heinrich jahrelang in
Konzentrationslagern inhaftiert. Die Masse der
Reichsbannerleute blieb in den nationalsozialistischen
Jahren ihren Idealen treu. Vor Ort hielten die
Gesinnungsgenossen Kontakt im kleinsten Kreis, unterstützten
die Familien Inhaftierter, halfen einander in Verfolgung und
Not. Einzelne Fahnen, Uniformen, Schriften und
Erinnerungsstücke wurden in Verstecken über die braunen
Jahre gerettet. Haubach und Heinrich unternahmen
Anstrengungen, landesweit eine Untergrundgruppe aufzubauen,
und konnten dafür vor allem in Berlin und Hamburg zahlreiche
Anhänger gewinnen. |