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Gefährdung der
Weimarer Republik
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| Republiktreue Demonstration
nach der Ermordung des Reichsaußenministers Walther
Rathenau, Berlin, 27. Juni 1922; Quelle: BPK |
Vom ersten Tag ihres Bestehens an war die Weimarer Republik
starken Gefährdungen ausgesetzt.
Monarchistische und völkisch- nationalistische Kräfte
bekämpften den aus Kriegsniederlage und revolutionärer
Erhebung hervorgegangenen neuen Staat mit Mord und
Putschversuchen.
Schon 1919 waren führende Kräfte der sozialistischen Linken
wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Kurt Eisner und Leo
Jogiches, Hugo Haase und Heinrich Dorrenbach, der Führer der
Volksmarinedivision, ermordet worden.
1921 wurde der bayerische USPD-Landtagsabgeordnete Karl
Gareis erschossen. Erhard Auer, der Vorsitzende der
bayerischen SPD, entging nur knapp einem Attentat, ebenso
Philipp Scheidemann, der erste Reichskanzler der Republik.
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Matthias Erzberger, ermordet am
26. August 1921; Illustrierte Republikanische
Zeitung
8. Jg., Nr. 35 vom 29. August 1931, S. 547 |
Der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger musste, als
„Vaterlandsverräter“ diffamiert, sein Leben lassen, weil er
für die Annahme des Versailler Vertrages eingetreten war und
als Finanzminister der Republik eine Besteuerung der
Besitzenden durchgesetzt hatte. 1922 wurde Außenminister
Walther Rathenau ein Opfer wüster völkisch-nationaler Hetze.
Im März 1920 holten reaktionäre Militärs mit dem Kapp-Putsch
zu ihrem ersten großen Schlag aus. Der Generalstreik der
Arbeiterschaft rettete die junge Republik. Anschließende
Arbeiteraufstände im Ruhrgebiet im März/April 1920 endeten
mit standrechtlichen Massenerschießungen. Die Putschisten
dagegen trafen auf milde Richter, ihr Hoch- und Landesverrat
wurde bald amnestiert. Hier zeigte sich ein Geburtsfehler
des neuen Staates, der die alten Machteliten im
Justizapparat, in Militär und staatlicher Verwaltung nicht
angetastet hatte.
Kommunistische Aufstandsversuche in Mitteldeutschland und in
Hamburg im März 1921 und im Oktober 1923 zielten ebenso auf
eine Beseitigung des parlamentarischen Systems von Weimar
wie Diktaturpläne der Reichswehr, Separatistenbestrebungen
im Rheinland, Sonderwege des Freistaates Bayern und
schließlich die rechten Putschversuche des Majors Buchrucker
in Küstrin am 1. Oktober und des Gefreiten Hitler in München
am 8./9. November im Krisenjahr 1923.
Die anhaltenden Attacken bewogen schließlich die SPD als
stärkste staatstragende Partei jener Jahre, von dem
Grundsatz, das Gewaltmonopol gebühre ausschließlich dem
Staat, insofern abzugehen, als sie der Gründung einer
Republikschutzorganisation zustimmte. War der Staat
zeitweise selbst nicht willens oder in der Lage, sich zu
schützen, mussten eben Kräfte mobilisiert werden, die diese
Aufgabe mittrugen.
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